Was ist ein kapitalleichtes Geschäftsmodell? Sicher nicht eines, das schlicht wenig investiert. Für uns bemisst sich Kapitalintensität nicht an der absoluten Höhe der Investitionen, sondern an deren Verhältnis zu Ertragskraft, Skalierbarkeit und langfristigem unternehmerischem Wert. Entscheidend ist nicht, wie viel Kapital eingesetzt wird, sondern wie effizient es eingesetzt wird – und welche strukturellen Erträge daraus entstehen.
Vor diesem Hintergrund wirken die derzeit gigantischen Investitionen von Alphabet (und anderen) auf den ersten Blick wie ein Widerspruch. Tatsächlich sind sie es nicht. Die steigenden Investitionsausgaben (Capex) dienen nicht dem Erhalt eines reifen, margenschwachen Geschäfts, sondern dem gezielten Ausbau einer hochskalierbaren Infrastruktur. Sie setzen auf bestehenden Plattformen auf, verbessern Produkte wie Search und Cloud strukturell, erhöhen die Effizienz und erschließen zusätzliche Nachfrage. Es geht um das weitere Stärken von Netzwerkeffekten.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen unternehmerischem Investieren und dem, was an der Börse häufig als Momentum gefeiert wird. Momentum orientiert sich am Kursverlauf. Es folgt dem, was bereits gestiegen ist, und spekuliert denkfaul, weil algorithmisch gesteuert, auf dessen Fortsetzung.
Unternehmerisches Investieren dagegen fragt: Wird hier neuer Wert geschaffen? Steigen die künftigen Cash Flows? Verbessert sich die Wettbewerbsposition? Trägt das Geschäftsmodell und halten die Burggräben? Kapital, das lediglich Trends hinterherläuft oder in fragilen Geschäftsmodellen gebunden ist, mag kurzfristig für Kursfantasie sorgen, erhöht aber nicht die ökonomische Substanz und ist somit kein Garant für langfristigen Investitionserfolg.
Deshalb investieren wir langfristig u.a. in Alphabet, aber auch bevorzugt in Unternehmen, die oft als „langweilig“ gelten: robuste Gewinnmaschinen mit Preissetzungsmacht, struktureller Profitabilität und verlässlicher Cash Flow-Generierung. Langfristiger Anlageerfolg entsteht nicht durch das Mitmachen von Moden, sondern durch die geduldige Beteiligung an Geschäftsmodellen, die auch dann noch profitabel sind, wenn die jüngste Mode längst schon wieder out ist.
Wir wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.
Ihr Wagner & Florack-Team